Erhebung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz                

Verpflichtende Erhebung ab 2013!

 

Psychische Fehlbelastungen sind neben den Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Apparates eine häufige Ursache für arbeitsbedingte Beschwerden und Erkrankungen. Sie verursachen viel menschliches Leid, aber auch enorme betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten. 

 

Unter psychischen Belastungen sind sowohl psychosoziale, psychoemotionale als auch psychomentale Belastungen zu verstehen.

 

Der Begriff psychische Belastung wird aus arbeitswissenschaftlicher Sicht zunächst einmal neutral definiert: Psychische Belastung ist "die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse", die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken. Unter psychischer Beanspruchung hingegen versteht man die Reaktion eines Menschen auf psychische Belastungen. Wir sprechen von psychischen Fehlbelastungen, wenn Arbeitsbedingungen vorliegen, die erfahrungsgemäß zu Störungen des körperlichen und geistigen Wohlbefindens führen können.

 

Die ÖNORM EN ISO 10075 "Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastungen" wurde durch eine Arbeitsgruppe des Internationalen Normenausschusses Ergonomie (ISO TC 159) erarbeitet. Sie schafft ein gemeinsames Grundverständnis und besteht aus drei Teilen:

 

Teil 1: Allgemeines und Begriffe (ÖNORM EN ISO 10075-1:2000)

Teil 2: Gestaltungsgrundsätze (ÖNORM EN ISO 10075-2:2000)

Teil 3: Grundsätze und Anforderungen an Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeits-                       belastungen (ÖNORM EN ISO 10075-3:2004)

 

Werden Faktoren, ermittelt die zu Fehlbelastungen führen, sollten unter Beteiligung der Beschäftigten geeignete Maßnahmen festgelegt, durchgeführt und anschließend auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Die vielfältigen Fehlbelastungen können verringert werden, wenn beispielsweise Arbeitsabläufe, Arbeitsanforderungen, Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen sowie die Arbeitsumgebung verbessert und optimiert werden. Zur Arbeitsorganisation gehört auch die Gestaltung der Arbeitszeit. Das Ziel der Veränderung ist die menschengerechte Gestaltung der Arbeit.

 

Die DIN EN ISO 9241, Teil 2 spiegelt den Stand der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zur menschengerechten Arbeitsgestaltung wieder.

 

Psychische Fehlbelastungen können unter anderem sein

  • knappe Personalbemessung
  • Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit
  • häufige Umstrukturierungen
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • Zunehmender Zeit- und Termindruck
  • Beschleunigung, Arbeitsverdichtung
  • Wiederholung immer gleicher Arbeitsvorgänge in kurzen Zeitabständen
  • Informationsmangel oder -überflutung
  • Freundlichkeitsdruck, Umgang mit Leid und Krankheiten
  • fehlende Handlungsspielräume und mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten
  • isoliertes Arbeiten ohne Möglichkeit zu sozialen Kontakten
  • Lärm, Hitze, Kälte, Zwangshaltungen, enge räumliche Verhältnisse

Die beispielhaft angeführten Fehlbelastungen treten aber meist in Kombination auf und nicht isoliert, z.B. Zwangshaltungen und Zeitdruck. In einigen Untersuchungen wurde insbesondere die Wechselwirkung zwischen psychischen Belastungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen beschrieben. Ermittlung und Beurteilung von psychischen Fehlbelastungen. Arbeitgeber/innen sind verpflichtet für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer/innen in Bezug auf alle Aspekte, die die Arbeit betreffen zu sorgen. Dies schließt auch Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gefahren durch eine geeignete Arbeitsorganisation mit ein. Dabei ist der neueste Stand der Erkenntnisse auf dem Gebiet der Arbeitsgestaltung zu berücksichtigen.

 

§ 3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz

Arbeitgeber/innen haben die Ursachen von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen zu ermitteln und zu beurteilen und Maßnahmen zur Verbesserung des psychosozialen Arbeitsumfeldes zu treffen. Die Ergebnisse der Ermittlung und Beurteilung sowie die durchgeführten Maßnahmen sind in in einer geeigneten Art und Weise nachvollziehbar zu dokumentieren.

 

§ 4 und § 5 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz

 

AUFGABE DES ARBEITSINSPEKTORATES

Informieren, Aufklären, Problembewusstsein herstellen, Beraten, Unterstützen

 

1. Grundverständnis über die Notwendigkeit von Prävention arbeitsbedingter physischer und 

psychischer Fehlbelastungen bei der Arbeit herstellen (§ 7 ASchG)...

 

2. Hilfestellung bezüglich Inhalten, Methoden, Vorgehen, Beteiligung aller Zielgruppen anbieten.

Bestandsaufnahme und Bewertung der betrieblichen Aktivitäten und zwar … 

 

       2.1. … ob der Evaluierungsprozess und dessen Durchführung ASchG-konform war (Beteiligung,                                      Hinzuziehen von PFK und Fachleuten, etc.) 

       2.2. … ob die Ermittlung psychischer Fehlbelastungen einschließlich der Dokumentation vorhanden ist

                     (§§ 4 und 5 ASchG, § 23 KJBG, § 2a MSchG)

       2.3. … ob die Inhalte der Ermittlung den Erkenntnissen auf dem Gebiet der Arbeitsgestaltung (§ 3 Abs. 2                      ASchG) den gesetzlichen Vorgaben (§ 4 ASchG) entsprechen

       2.4. … ob die Methoden der Ermittlung den Erkenntnissen auf dem Gebiet der Arbeitsgestaltung                                    entsprechen(§ 3 Abs. 2 ASchG)

       2.5. … ob eine Beurteilung der Gefahren bzw. eine Festlegung von Maßnahmen vorliegt (§ 4 ASchG)

       2.6. … ob die Gefährdungsbekämpfung an der Quelle und kollektiv wirksam erfolgt (§ 7 Z 3 ASchG) 

       2.7. … ob eine ausreichende/adäquate Information und Unterweisung der Beschäftigten (inklusive                               Führungskräfte) durchgeführt wurde (§§ 12, 14 ASchG) 

       2.8. … ob die Evaluierung genutzt und aktualisiert wird (§ 4 Abs. 4 und 5 ASchG)

 

ZIELGRUPPE/ TEILNEHMER: 

Verpflichtende Erhebung/ Evaluierung , - alle Betriebsangehörigen

 

BESCHREIBUNG/ WORKFLOW:

Evaluierung/ Ausfüllen eines (elektronischen) Fragenboges, anschließende Auswertung, Präsentation

 

DAUER:

Zeitraum: Jährlich

 

METHODIK:

Fragebogen (elektronisch,- via Webbrowser)

Fragenbogen (Papierform)